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                <journal-title>The Medieval Review</journal-title>
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                <publisher-name>Indiana University</publisher-name>
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            <article-id pub-id-type="publisher-id">22.01.08</article-id>
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                <article-title>22.01.08, Vryzidis (ed.), The Hidden Life of Textiles in the Medieval and Early Modern Mediterranean</article-title>
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                    <aff>Freie Universität Berlin</aff>
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                        <surname>Vryzidis, Nikolaos, ed</surname>
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                <source>The Hidden Life of Textiles in the Medieval and Early Modern Mediterranean: Contexts and Cross-Cultural Encounters in the Islamic, Latinate and Eastern Christian Worlds</source>
                <series>Medieval and Post-Medieval Mediterranean Archaeology</series>
                <year iso-8601-date="2020">2020</year>
                <publisher-loc>Turnhout, Belgium</publisher-loc>
                <publisher-name>Brepols</publisher-name>
                <page-range>Pp. 304</page-range>
                <price>€70.00 (hardback)</price>
                <isbn>978-2-503-58773-8 (hardback)</isbn>
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                <copyright-statement>Copyright 2022 Trustees of Indiana University. Indiana University provides the information contained in this file for non-commercial, personal, or research use only. All other use, including but not limited to commercial or scholarly reproductions, redistribution, publication or transmission, whether by electronic means or otherwise, without prior written permission of the copyright holder is strictly prohibited.</copyright-statement>
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        <p>Die Erforschung von Kleidung, Textilien und Mode hat sich in den letzten Jahrzehnten zu
            einem großen und wichtigen Forschungsfeld in der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen
            Geschichte, Kunstgeschichte und Archäologie entwickelt. Die dabei angewandten
            Perspektiven, Methoden und Erkenntnisinteressen sind äußerst unterschiedlich. Untersucht
            werden insbesondere der modische Wandel in Norm und Praxis, die Überlieferung von
            Kleidungsstücken und textilen Fragmenten, die technischen und physikalischen Facetten
            des Produktions- und Färbeprozesses, die Wechselwirkungen zwischen textilen und anderen
            handwerklichen Medien, der Wert von Textilien sowie der Handel mit ihnen und viele
            andere Themen. Kaum ein anderes Forschungsfeld arbeitet zudem so interdisziplinär. Dies
            hängt unter anderem damit zusammen, dass Textilien einerseits zu den zentralen
            materiellen Gütern der Menschheit gehören und sich andererseits durch eine große
            Vielfalt und Komplexität auszeichnen. Gefördert wird die praktizierte
            Interdisziplinarität daneben durch die Tatsache, dass es wenige andere materielle Güter
            gibt, die im internationalen Handel und im großräumigen Austausch von technischen
            Fertigkeiten und ästhetischen Vorstellungen eine vergleichbare Rolle spielten.</p>
        <p>Ein weiterer Grund für die Expansion des Forschungsfeldes liegt sicherlich in der großen
            Anziehungskraft, die Kleidungsstücke und textile Fragmente auf den modernen Betrachter
            und die moderne Betrachterin innerhalb und außerhalb der Wissenschaft ausüben.
            Entsprechend sind auch Museen, Sammlungen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen
            bei der Analyse und Präsentation von Textilien äußerst aktiv. Im Metropolitan Museum of
            Art in New York wurde beispielsweise im Jahr 2014 die Ausstellung <italic>Interwoven
                Globe: The Worldwide Textile Trade, 1500-1800</italic> gezeigt, in welcher der
            internationale Transfer von Design vom 16. bis zum frühen 19. Jahrhundert durch das
            Medium der Textilien aus einer globalen Perspektive dargestellt wurde. In den Jahren
            2016 bis 2019 folgte im selben Museum eine vierteilige Ausstellungsserie, die sich
            erneut auf Textilien konzentrierte und zum größten Teil aus eigenen Beständen bestückt
            wurde. Unter dem Titel <italic>The Secret Life of Textiles</italic> wurden Textilien aus
            pflanzlichen, tierischen und synthetischen Fasern gezeigt und in einen breiten
            kulturhistorischen Kontext gestellt. Von diesen Ausstellungen ließ sich Nikolas Vryzidis
            in doppelter Weise inspirieren: Im Museum of Islamic Art (Benaki) in Athen versammelte
            er im Jahr 2016, unterstützt von der British School at Athens, eine Gruppe von
            Fachleuten aus mehreren akademischen Disziplinen, die Vorträge zu verschiedenen Aspekten
            der vormodernen textile studies hielten und dabei ihre Aufmerksamkeit auf den
            interkulturellen Austausch und grenzüberschreitende Rezeptionsvorgänge richteten. Zudem
            wählte Vryzidis für die nun erfolgte Publikation der Vorträge einen Titel, der den
            Ausstellungstitel des Met aufgreift und variiert. Wie die Ausstellungsmacher und
            Ausstellungsmacherinnen in New York spielt der Herausgeber damit auf die verborgene oder
            nicht leicht zu entschlüsselnde Bedeutungsvielfalt von Textilien an. So manches Detail
            der Produktion, Funktion und Verwendung von Kleidungsstücken ist so “versteckt,” dass
            eine internationale und interdisziplinäre Arbeit nötig ist, um es zu entziffern, in
            einen größeren Zusammenhang zu stellen und einem breiten Publikum verständlich zu
            machen.</p>
        <p>Die Beiträge der renommierten Autoren und Autorinnen behandeln Textilien, ihre
            Produktion, ihre Gestaltung und ihre Funktionen in verschiedenen mediterranen Kontexten
            und darüber hinaus während des Mittelalters und der Frühen Neuzeit vom 8. bis zum 18.
            Jahrhundert. Die Vielfalt der Ansätze umfasst archäologische, anthropologische und
            kunsthistorische Perspektiven zu einer Vielzahl von Themen. Laura Rodríguez Peinado und
            Ana Cabrera-Lafuente (“New Approaches in Mediterranean Textile Studies: Andalusí
            Textiles as a Case Study”) belegen in ihrem Text die Wechselwirkungen zwischen
            muslimischen und christlichen Webern auf der Iberischen Halbinsel und fordern--gestützt
            auf ihre Erkenntnisse zu Rohstoffen, Webtechniken und Webmustern--eine neue
            vergleichende Sichtweise auf “spanische Textilien” des Mittelalters. Wie in anderen
            Untersuchungsfeldern zeigt sich, dass religiös-politische Grenzen im Mittelalter
            keineswegs undurchlässig waren. Avinoam Shalem (“Metaphors We Dress With: Medieval
            Poetics about Textiles”) zeigt anhand von Versen aus unterschiedlichen Jahrhunderten,
            wie mittelalterliche muslimische Poeten in ihren Texten die ästhetische und soziale
            Bedeutung sowie Raffinesse von Textilien behandelten. Damit illustriert der Autor einen
            weiteren Zugang, der die Bedeutung der Literaturwissenschaft für das Forschungsfeld
            deutlich macht. Scott Redford (“Flags of the Seljuk Sultanate of Anatolia: Visual and
            Textual Evidence”) zeigt, dass die türkischen Seldschuken für ihre (Kriegs)Fahnen in
            Anatolien auf byzantinische Muster zurückgriffen, diese aber mit zusätzlichen Mustern
            und muslimischen Inschriften anreicherten. Gestützt auf unterschiedliche
            Quellengattungen (Buchmalerei, schriftliche Quellen und Wandinschriften) kann der Autor
            nachweisen, dass die seldschukischen Fahnen zwar auf einer grenzübergreifenden
            politischen Ikonographie beruhten, aber dennoch ihre eigene Identität entfalteten und so
            von den Fahnen des Gegners unterscheidbar blieben. Maria Sardi (“Foreign Influences in
            Mamluk Textiles: The Formation of a New Aesthetic”) beleuchtet die Rezeption von
            ausländischen Einflüssen auf die Produktion von Seiden und anderen Stoffen im
            Mamlukenreich. Bei unterschiedlichen Mustern (gepaarte Tiere in Medaillons, florale und
            geometrische Muster) beobachtet sie Einflüsse sowohl aus dem byzantinischen, dem
            seldschukischen als auch dem persisch-mongolischen und chinesischem Bereich. Für das 14.
            Jahrhundert stellt sie eine neue eigenständige Formensprache in der mamlukischen Weberei
            fest, welche ausländische Vorbilder zu neuen “mamlukischen” Erzeugnissen verarbeitete.
            Zur selben Zeit wurden allerdings auch chinesische und italienische Einflüsse
            ausgeprägter. Einzig im Bereich der bedruckten Textilien lässt sich ihrer Meinung nach
            keine solche interkulturelle Wechselwirkung feststellen. Ein ähnliches Bild eines
            “interwoven globe” entwirft Vera-Simone Schulz (“Entangled Identities: Textiles and the
            Art and Architecture of the Apennine Peninsula in a Trans-Mediterranean Perspective”)
            bei ihrer Beschreibung der Textilproduktion im spätmittelalterlichen Italien. Die
            Apenninenhalbinsel in der geographischen Mitte des Mittelmeers erweist sich beim Studium
            der textilen Künste einmal mehr als ein Zentrum des internationalen Austausches:
            Rohmaterialien wurden importiert, Fertigprodukte über das Mittelmeer und die Alpen
            exportiert, durch die Migration von Handwerkern verbreitete sich das fachliche Wissen
            über die Grenzen der konkurrierenden Städte hinaus. Die Verflechtung der Webkünste ging
            so weit, dass selbst die Verfasser von zeitgenössischen Inventaren sich nicht immer
            sicher waren, ob bestimmte Textilien “asiatisch/tatarisch” oder italienisch waren--und
            wenn letzteres der Fall ist, ob sie in Lucca, Venedig oder anderswo hergestellt worden
            waren. Auch in den Beiträgen von Nikolaos Vryzidis (“Animal Motifs on Asian Textiles
            used by the Greek Church: A Case Study of Christian Acculturation”; Appendix by Dimitris
            Loupis: “Woven Islamic Inscriptions”), Marielle Martiniani-Reber (“Quelques aspects des
            relations entre productions textiles byzantine et arabe aux Xe-XIe siècles”), Elena
            Papastavrou (“Osmosis in Ottoman Constantinople: The Iconography of Greek Church
            Embroidery”), Jacopo Gnisci (“Ecclesiastic Dress in Medieval Ethiopia: Preliminary
            Remarks on the Visual Evidence”) und Dickran Kouymjian (“Armenian Altar Curtains:
            Repository of Tradition and Artistic Innovation”) werden technische und künstlerische
            Rezeptionsvorgänge anhand von konkreten Fragestellungen diskutiert. Deutlich wird dabei
            insbesondere die enge Verflechtung der östlichen Mittemeerwelt mit dem Nahen und Fernen
            Osten sowie mit Afrika. Die Autoren und Autorinnen betreten mit ihren Forschungen
            teilweise wenig untersuchte Räume (Äthiopien, Armenien) oder konzentrieren sich auf die
            Diffusion und Adaptierung ausgewählten Muster, Motive oder Techniken. In seiner
            Zusammenfassung betont Nikolaos Vryzidis sowohl die Spannung zwischen der lokalen
            identitätsstiftenden Funktion von Textilien als kulturellem Zeichen als auch die
            interkulturellen Verbreitungsprozesse von textilen Stilen und Mustern. Einmal mehr wird
            dadurch deutlich, dass die Erforschung von Textilien ein besonders reichhaltiges und
            ertragreiches Feld für die interdisziplinäre und interkulturelle Mittelalter- und
            Frühneuzeitforschung darstellt. Farbabbildungen von hoher Qualität verleihen der Lektüre
            des Sammelbandes zusätzliche Anschaulichkeit.</p>
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